Menschen mit und ohne Behinderung sitzen gemeinsam auf einem Inklusionsbänkli mit der Gravur «Ein Platz für alle»
Foto: Micha Riechsteiner

Wirkung · Warum Inklusion?

Was ist Inklusion – und was hat das mit Bern zu tun?

Inklusion ist kein Randthema. In Bern gibt es noch viel zu tun. Bärähärz macht sichtbar, was Inklusion wirklich bedeutet – und warum Wirtschaft und Bevölkerung gemeinsam gefragt sind.

Eins vorweg: Wir sind keine Inklusionsprofis.

Das ist unser Fachnetzwerk. Für Inklusion und Arbeit im ersten Arbeitsmarkt arbeiten wir mit der Stiftung Profil und Jobtimal zusammen – und mit Blindspot als Projektpartner. Sie kennen das Thema weit besser als wir. Unsere Rolle ist eine andere: Wir bauen die Brücke zwischen diesen Organisationen und der Berner Wirtschaft. Zwischen dem Wollen und dem Tun.

Profil und Jobtimal geben gerne Auskunft zu Inklusion im ersten Arbeitsmarkt.

Fachpartner Inklusion & Arbeit

Was bedeutet Inklusion?

Inklusion bedeutet: Strukturen so gestalten, dass alle von Anfang an dazugehören.

Inklusion ist kein Synonym für Integration. Die Begriffe klingen ähnlich – meinen aber etwas grundsätzlich Verschiedenes. Nicht: Menschen nachträglich in bestehende Strukturen einpassen. Sondern: Barrieren von Anfang an ausschliessen. Der Unterschied klingt klein. Er ist es nicht.

Integration

Leitfrage: Wie kann jemand in ein bestehendes System aufgenommen werden?

Logik: Das System bleibt unverändert. Die Person passt sich an.

Inklusion

Leitfrage: Wie muss ein System gestaltet sein, damit alle von Anfang an dazugehören?

Logik: Barrieren werden strukturell erkannt und von Anfang an mitgedacht.

Inklusion ist mehr als Beeinträchtigungen

Das Themenfeld Inklusion ist breit. Bärähärz engagiert sich nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigungen – sondern für alle, die von bestehenden Strukturen ausgeschlossen werden. Vier Bereiche, die uns bewegen:

Arbeit & Bildung

Zugang zu Ausbildung, Arbeit und beruflicher Entwicklung – unabhängig von Beeinträchtigung, Herkunft oder persönlichen Voraussetzungen.

Vielfalt & Chancengleichheit

Im Kern geht es bei Inklusion um eine einzige Frage: Hat jemand selbstverständlich Zugang, Chancen und Zugehörigkeit – oder muss er sie sich erst erkämpfen? Diese Frage stellt sich weit über Beeinträchtigung hinaus.

Gesundheit & Barrierefreiheit

Physische und psychische Gesundheit sowie barrierefreier Zugang zu Mobilität, Gebäuden, öffentlichem Raum und gesellschaftlichen Angeboten.

Teilhabe & Gemeinschaft

Begegnung, Mitwirkung und soziale Teilhabe – im Quartier, in Vereinen, Institutionen und im gesellschaftlichen Leben.

Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten Seite an Seite – gelebte Inklusion im Arbeitsalltag
Foto: Tom Hiller

Inklusion in Bern – wo stehen wir?

Kanton Bern hat das Potenzial, bei der Inklusion eine Vorreiterrolle einzunehmen. Noch ist der Weg weit. Diese Zahlen zeigen, warum es jetzt Handeln braucht.

  • 40'000+

    Personen werden allein durch die IV-Stelle Kanton Bern begleitet.

  • 4 von 5

    Menschen mit Beeinträchtigungen fühlen sich in mindestens einem Lebensbereich stark ausgeschlossen.

  • 79 %

    der Betroffenen schätzen ihre Chancen auf eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt als gering ein.

  • 50 %

    der Betroffenen mit eingeschränkten Chancen nennen die fehlende Bereitschaft von Unternehmen, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen, als zentrale Hürde.

  • 2 von 5

    sehen zu wenige geeignete Arbeitsplätze oder Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit als Hindernis.

  • 2'092

    Menschen konnten im Kanton Bern 2024 in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Quellen: Pro Infirmis, Inklusionsindex 2026 · Studie zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der Schweiz · Stiftung Profil – Arbeit & Inklusion · IV-Stelle Kanton Bern · Bundesamt für Statistik

Warum Bern seine Wirtschaft braucht – und warum du gefragt bist

Inklusion in Bern ist noch nicht dort, wo sie sein sollte. Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Einladung.

Denn die Wirtschaft prägt einen grossen Teil unseres Alltags: wo Menschen arbeiten und eine Ausbildung machen, welche Produkte und Dienstleistungen sie nutzen, wie zugänglich diese sind – und wem sich überhaupt Möglichkeiten eröffnen. Kein Unternehmen kann Inklusion allein lösen. Aber fast jedes hat an seiner eigenen Stelle konkrete Gestaltungsmöglichkeiten.

Und Inklusion beginnt nicht erst im Betrieb, sondern in der Begegnung. Wer unterschiedliche Lebensrealitäten kennenlernt, erkennt Barrieren und Möglichkeiten, die vorher vielleicht unsichtbar waren. Genau hier setzt Bärähärz an: Wir schaffen Begegnungen, machen Inklusion sichtbar und bringen die Berner Wirtschaft mit Fachorganisationen und konkreten Projekten zusammen.

Inklusiver Pumptrack im Quartier – ein Ort für Menschen mit und ohne Behinderung
Foto: Bärähärz

Die häufigsten Barrieren – sichtbar und unsichtbar

Barrieren sind nicht immer sichtbar. Sie können räumlich, digital, sprachlich oder gesellschaftlich entstehen – und Menschen daran hindern, gleichberechtigt teilzuhaben. Entscheidend ist deshalb, Zugänge von Anfang an für unterschiedliche Bedürfnisse mitzudenken.

1

Physische & räumliche Barrieren

Stufen ohne Rampen, fehlende Lifte, unzugängliche WCs oder fehlende Leitsysteme erschweren den Zugang zu Gebäuden, Mobilität und öffentlichem Raum.

2

Digitale & kommunikative Barrieren

Nicht barrierefreie Websites und Apps, fehlende Untertitel oder Gebärdensprache, komplizierte Formulare und schwer verständliche Informationen erschweren den Zugang zu Angeboten und Dienstleistungen.

3

Sprachliche & kulturelle Barrieren

Komplexe Sprache, fehlende Übersetzungen sowie sprachliche oder kulturelle Hürden können den Zugang zu Bildung, Arbeit, Behörden und gesellschaftlicher Teilhabe erschweren.

4

Soziale & strukturelle Barrieren

Vorurteile, Diskriminierung, Berührungsängste und nicht inklusive Strukturen können Chancen bei Arbeit, Bildung, Wohnen und gesellschaftlicher Teilhabe einschränken. Auch rechtliche, finanzielle oder psychologische Hürden können den Zugang zusätzlich erschweren.

Viele dieser Barrieren fallen erst auf, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Wer sie kennt, kann sie beim nächsten Mal von Anfang an mitdenken.

Quelle: Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) – Barrierefreiheit und Zugänglichkeit

Häufige Fragen zur Inklusion

Was ist der Unterschied zwischen Inklusion und Integration?

Integration fragt: Wie kann jemand in ein bestehendes System aufgenommen werden? Inklusion fragt: Wie muss ein System gestaltet sein, damit alle von Anfang an dazugehören? Bei der Integration passt sich die Person an. Bei der Inklusion passt sich die Struktur an.

Wie weit ist Bern beim Thema Inklusion?

Kanton Bern begleitet über 40'000 Personen durch die IV-Stelle. 4 von 5 Menschen mit Beeinträchtigungen fühlen sich in mindestens einem Lebensbereich stark ausgeschlossen. Bern hat Potenzial – aber die Wirtschaft, der öffentliche Raum und die Haltung der Bevölkerung können sich alle noch weiterentwickeln. Bärähärz will dabei helfen.

Ist Inklusion nur ein Thema für Menschen mit Beeinträchtigungen?

Nein. Inklusion betrifft alle, die von bestehenden Strukturen ausgeschlossen werden: Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit Migrationsgeschichte, psychischen Erkrankungen oder Kinder in nicht inklusiven Schulen. Bärähärz versteht Inklusion bewusst breit.

Was ist Bärähärz und was macht der Verein in Bern?

Bärähärz ist ein gemeinnütziger Verein aus Bern, gegründet 2025 von Berner Unternehmer:innen und Führungskräften. Jedes Jahr unterstützt der Verein ein konkretes Inklusionsprojekt in Bern – durch eine Charity Auktion, öffentliche Sensibilisierungsprojekte und die Vernetzung von Wirtschaft und Fachorganisationen.

Wie kann ich oder mein Unternehmen Bärähärz unterstützen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Teil von Bärähärz zu werden: Unternehmen können eine Partnerschaft ab CHF 1'000 pro Jahr eingehen. Privatpersonen können direkt spenden oder ab CHF 64 im Jahr Teil der Bärähärz Community werden. Zudem kann jede und jeder die Charity Auktion besuchen, mitbieten oder ein Auktionsobjekt zur Verfügung stellen.

Mitmachen

Verstehen ist der Anfang. Mitmachen macht den Unterschied.

Bärähärz baut die Brücke zwischen der Berner Wirtschaft und Inklusion. Zwei konkrete Wege, sie mitzutragen.

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